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Erotikratgeber - Übersicht

Yaoi und Bara: Manga für Männer, die Männer lieben

Bild Yaoi und Bara Gay Bei Manga im Yaoi- und Bara-Stil handelt es sich um eine Art erotische Comics.

Du hast sicherlich schon einmal von ihnen gehört, von diesen Bilderbüchern aus dem Fernen Osten. Von diesen Manga aus Japan, die doch nicht viel mehr sein können, als ein jugendlicher Zeitvertreib? Manga ist ein Ausdruck japanischer Kultur, ein fester Bestandteil der Literatur. Und doch häufig nur ein Fließbandprodukt von überarbeiteten Künstlern und Autoren. In Japan ist der Zeichenstil allgegenwärtig, aus dem Alltag nicht wegzudenken. Nahezu alle Aspekte des Lebens werden auch von Manga-Autoren in Bild und Sprechblase beleuchtet. Theoretisch ist für jeden etwas dabei. Also auch für Dich?

Die Ursprünge des Yaoi

Japan und die Homosexualität

Yaoi wird es genannt. Das Genre, welches sich ausschließlich mit der Liebe zwischen männlichen Protagonisten beschäftigt. Und es ist überraschend populär in einem Land, in dem Homosexualität weiterhin ein Tabu-Thema ist. Wo Dich bisherige Freunde, Bekannte und Verwandte verlassen, wenn du Dich outest. Wo schwul sein noch Geheimnis bleiben muss und Agenturen Scheinehen für Dich vermitteln, damit Du nicht als Schande dastehst, in einer Gesellschaft, in der man nicht auffallen soll. Wie passt das zusammen?

Bild Manga Mädchen In Manga herrscht ein ganz eigener Stil für Zeichnung und Text.

Shounen ai

Das, was heute häufig als Yaoi zusammengefasst wird, nahm seinen Ursprung in den 1970er Jahren. In Manga-Magazinen, deren Zielgruppe hauptsächlich Mädchen und junge Frauen sind, erschienen zunehmend Geschichten, die auf die homoerotische Beziehung zwischen heranwachsenden jungen Männern fokussiert waren. Sie werden "shounen ai" genannt, was frei übersetzt „Jungenliebe“ bedeutet. Die Werke dieser Zeit schildern die Beziehung der Jungen oft nur platonisch, sprechen aber dennoch ernste Themen, wie Rassismus und Homophobie an. Sie setzen sehr oft viel Wissen vom Leser voraus und gelten deshalb als kompliziert und schwer zu verstehen.

Yaoi - mehr Erotik

Die erste Abspaltung des jungen Genres entsteht, als Autorinnen beginnen, ihre Werke selbst zu veröffentlichen, um in ihnen zu zeigen, was in den Veröffentlichungen der Verlage nicht möglich ist. Der Term Yaoi taucht erstmals auf. Es ist ein Akronym und bedeutet übersetzt so viel wie „kein Höhepunkt, keine Pointe, keine Bedeutung“. Eine Anspielung auf den Inhalt dieser Werke, die oft dort anfangen, wo die Fantasie bei den shounen ai einsetzt: sexuell explizite Inhalte.

Von Frauen, die Männer lieben, die Männer lieben

Yaoi in verschiedenen Genres

Bis heute ist das Genre weiterhin bei heterosexuellen Frauen akzeptiert, ja sogar beliebt. Es finden Conventions statt, auf denen sich die Liebhaberinnen des Genre treffen, sich über populäre Werke austauschen und Schlange stehen, um ihre Bücher von den Autorinnen signieren zu lassen. Boys Love, oder BL ist der in Japan verbreitete Term und reicht weit über Printmedien hinaus: Hörbücher, Videospiele, Fernsehserien und Kinofilme. Selbstverständlich nicht mit realen Schauspielern, sondern nur gezeichnet, oder aus dem Computer.

Kampf gegen ein Tabu

Bild Männer Kuss Yaoi Die Darstellungen bei Yaoi sind eher noch romantisch.

Was motiviert die Frauen dazu, sich explizite homoerotische Inhalte anzusehen? Während die in ihren Büchern gezeigte Akzeptanz nicht weiter von der Realität entfernt sein kann? Es ist eine Form des Eskapismus. Eine Art sexueller Freiraum für Frauen, in dem sie nicht von Männern gestört werden können, so ironisch das auch klingen mag. Denn für diese gelten solche Themen in Japan weiterhin als Tabu.

Handlung bei Yaoi

Aber ist das Genre auch für Dich geeignet? Selbst wenn die Zielgruppe Frauen sind? Das Schema der Yaoi ist von Geschichte zu Geschichte nahezu identisch. Die Story und das Setting mögen zwar eine andere sein, aber letztendlich geht es um die Beziehung der zwei Protagonisten. Der eine, genannt Seme, ist maskuliner und drängender, während der andere, Uke genannt, femininer gezeichnet wird. Eine Projektion der traditionellen Geschlechterrollen auf die Protagonisten findet statt. Zumeist läuft die Geschichte darauf hinaus, dass der Uke seine Gefühle für den Seme eingestehen muss. Nicht selten erzwingt der Seme dieses Eingeständnis auf sexuellem Weg. Eine Kapitulation der Liebe.

Ist Bara mehr als nur Porno?

Yaoi als sexuelles Ventil

Mit der Auseinandersetzung und Akzeptanz der Homosexualität haben die Yaoi-Geschichten im Allgemeinen nichts zu tun. Sie sind vielmehr ein sexuelles Ventil und eine Darstellung sexueller Fantasien, gleichen mehr einem Pornoheft. Das gilt auch für die Geschichten, die von Schwulen für Schwule geschrieben werden.

Manga für Schwule

Bild Yaoi Bara Figuren Auch bei Bara gibt es meist eine dominantere und eine devotere Figur.

Die Werke, deren Zielgruppe ausschließlich schwule Männer sind, werden in Japan Bara genannt. Sie unterscheiden sich von Yaoi im Kern durch die Darstellung und den Ton. Die Zeichnungen der Protagonisten sind maskuliner und weniger auf die Bedürfnisse einer weiblichen Zielgruppe zugeschnitten, die sich mit einem der Charaktere identifizieren muss. Auf ihre Weise sind sie ehrlicher.

Die Figuren sind zwar muskelbepackt, zeigen aber auch Bauch, Bart, Haare auf der Brust und den Armen oder Alter, im Gegensatz zu den stereotypisierten Charakteren, die im Yaoi zu finden sind. Sex ist im Mittelpunkt und es wird nicht lange gezögert, bevor es zur Sache geht. Erigierte Penisse muss man nicht lange suchen - die Männlichkeit wird in Bara Manga idealisiert. Die Aufteilung in eine autoritäre und eine unterdrückte Figur wird aus dem Yaoi übernommen. Teilweise sollen die Szenarien schockieren: ein Vorgesetzter in der Armee und sein Untergebener, ein Vater und sein erwachsener Stiefsohn.

Yaoi und Bara - auch in Deutschland?

Es ist nur eine kleine Nische, die das Bara bedient, in einer konformistischen Gesellschaft wie Japan. Jugendliche haben keinen Zugang zu diesem Markt, denn es wird in pornografischen Magazinen für Männer vertrieben. An Yaoi- oder Bara-Inhalte in Deutschland zu kommen war früher nahezu ein Ding der Unmöglichkeit. Manga waren eine Nische in Deutschland. Manga über oder für Schwule? Kein Verlag wollte dieses finanzielle Risiko eingehen. An deutsche Übersetzungen war lange nicht zu denken.

Inzwischen sieht das anders aus. Manga - auch Yaoi oder Bara - sind in diversen Buchhandlungen zu finden. Auch im Internet fällt es nicht schwer, entsprechende Exemplare zu kaufen. Natürlich ist die Bandbreite begrenzt - so viel Auswahl wie in Japan gibt es bei uns noch nicht.

Der Verlag Bruno Gmünder vertreibt eine Reihe auf Englisch, der amerikanische Verlag Fantagraphics hat 2014 mit „Massive“ eine Sammlung von neun Autoren herausgegeben, die sich über eine Auswahl von Manga-Geschichten hinaus durch Kurzgeschichten und Interviews dem Thema widmet. Ein guter Ausgangspunkt, wenn Du Dich dem Thema schwuler Manga nähern willst. Über Kleinanzeigen findest Du günstige gebrauchte Manga - auch mit erotischen Inhalten. Ansonsten bleiben Dir Quellen im Internet auf einschlägigen Seiten, in denen Fans die Manga selbst übersetzt haben.


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